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Traumdeutung

Ich befand mich in einem hellen und geräumigen Dachboden. Gerade, knapp zwei Meter hohe Wände begrenzten ihn und gingen vom oberen Rand aus in Dachschrägen über. Der Raum war so gewaltig, dass die Schrägen erst in mindesten zwanzig Metern Höhe wieder zusammentrafen. Er war komplett aus Holzbrettern, doch in regelmäßigen Abständen fanden sich an den Wänden und Dachschrägen Fenster. Einige von ihnen waren angeklappt und ließen warme Frühlingsluft herein. Meinem Gefühl nach war es der Dachboden unseres Familienhauses.

Draußen war es ein schöner Tag und ich fühlte mich gut. Ich setzte mich auf den Boden, neben einige Kerzen und einen Stapel mit Büchern und begann zu lesen. Bald übermannte mich Müdigkeit und ich dämmerte weg, nur um kurz darauf aufzuschrecken. So eben war ein Schatten an einem der Fenster vorbeigeglitten.

Ein Drache! Ein Drache im Kaliber eines Kleinbusses drehte seine Runden um unseren Dachboden, mal höher, mal tiefer und doch höchst ausdauernd dieser Aufgabe gewidmet. Ich warf mich auf den Boden und kauerte dort, nicht unbedingt überrascht von dem Fabeltier, sondern eher beunruhigt. Einige Zeit später, der Drache zog noch immer seine Bahnen, wurde es draußen dunkel.

Ich beschloss den Dachboden zu verlassen und klappte das Buch, dass ich zum Zeitvertreib weiterhin gelesen hatte, zusammen. Mir war bewusst dass ich die Dachfenster schließen müsste, könnte es doch in der Nacht regnen. Eine Teleskopstange zur Hilfe nehmend, die Fenster waren per Hand nicht zu erreichen, machte ich mich an die Arbeit. Mittlerweile war es so dunkel, dass ich nicht sicher war, ob der Drache noch immer dort draußen war. Dennoch war ich verängstigt bei dem Gedanken, er könnte sein geiferndes Maul durch eines der Fenster hereinstecken. Das letzte Fenster war in solch einer Höhe, dass ich es selbst mit dem ausgefahrenen Stab nicht berühren konnte. Während ich an dieser letzten Hürde verzweifelte, kam meine große Schwester des Weges.
“Hast du den Drachen auch gesehen?”, fragte ich.

“Ja”, antwortete sie knapp, “war aber nur ein kleiner. Warte, ich helf’ dir.”
Meine Schwester, die eigentlich kleiner ist als ich, schloss nach kurzem Strecken das Fenster. Dadüüdamm~

Die Gegensprechanlage dudelt und ich wache verwirrt auf. Etwas später beschließe ich, dass das durchaus Traumdeutung erfordert und bemühe das allmächtige Google. Nach kurzer, höchst wissenschaftlicher Recherche komme ich auf folgendes Ergebnis:

Der Dachboden steht für mein Oberstübchen und ist traumtechnisch ein heißes Pflaster (“In den Träumen vom Dachboden stößt man oft auf komische, altertümliche und auf unerlaubte Inhalte, auf Phantasien und mancherlei Querulieren.”). Meiner war leider leer und die Action spielte sich draußen ab.

Ein Drache wiederrum ist scheinbar immer ein Wesen mit dem gekämpft wird, und dadurch analog wohl meist mit dem Ego (“Allgemein handelt es sich dabei immer um einen Kampf, den der Träumende mit sich selbst oder einer ihm unbekannten Eigenschaft seiner Psyche austrägt.”). Auch hier war mein Traumtier nicht artentypisch.

Der andere Drache, meine Schwester, steht wohl für meine weibliche Seite mit der ich zu kommunizieren versuche (“Oft tritt sie als hilfreiche Freundin oder als Führsorgeschwester ins Traumbild, bei der man Hilfe und Rat sucht.”). Passt nur teilweise.

Den Rest habe ich nicht gefunden. Fazit? Meine Träume sind offensichtlich kaputt und sollten mal wieder nach dem offiziellen Volksglauben geeicht werden. Spaß hat’s trotzdem gemacht und der Traum war eh unterhaltsam.

(Zitate gegen Ende stammen von www.traumdeuter.ch)